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Unternehmen Schule

Auf dem Markt einer sich öffnenden Bildungslandschaft tummeln sich immer mehr Beratungsdienste. Sie vermitteln Kontakte zur Wirtschaft.

Von ANDREJ PRIBOSCHEK

DÜSSELDORF. "Jeder sieht seinen Teilbereich, selten das große Ganze", so hat Unternehmensberater Frank Heidrich festgestellt. Auch: Im Kollegenkreis werde viel gesprochen - oft aneinander vorbei. Und: Es gebe zwar einen Leiter, aber keinen Chef - niemanden also, der unliebsame Entscheidungen notfalls auch mal durchdrückt. Fazit des Ökonomen: Der Betrieb ist dringend umzustrukturieren.

Die Rede ist von Schule. Heidrich hat das Bildungssystem unter die Lupe genommen und eine neue Zielgruppe ausgemacht. Schulen, die sich den Herausforderungen der Informationsgesellschaft stellen wollen, müssen sich ihm zufolge wandeln: hin zu "kundenorientierten Dienstleistern" in Sachen Bildung und Erziehung.

Heidrich und seine Unternehmensberatung Beom (Kerpen) sind nicht die einzigen, die sich auf dem neuen Markt einer sich öffnenden Bildungslandschaft tummeln. Beratungsbedarf besteht nicht nur bei Schulen und Schulträgern, die den Unterricht ökonomischer organisieren wollen, sondern auch bei Unternehmen, die sich in die Förderung des Nachwuchses einbringen möchten. Verstärkte Zusammenarbeit zwischen Schule und Wirtschaft, so lautet das Credo.

Zum Wohle beider Seiten: "Die Schüler bekommen Einblicke in die betriebliche Wirklichkeit, die Betriebe können frühzeitig nach geeigneten Auszubildenden Ausschau halten", sagt Carsten Schülke von der Industrie und Schule GmbH (I & S), einem an der Universität Düsseldorf angesiedelten Beratungsdienst. Dieser hat landesweit bereits rund 170 Partnerschaften zwischen Schulen und Unternehmen vermittelt. Als Grundidee nennt Schülke, "Schulen wirtschaftsnäher zu gestalten, mehr Praxis in den Unterricht zu bringen". Und zwar in fast jedem Fach, wie der Projektleiter betont.

Wie sieht das aus? In Marl etwa durften Gymnasiasten im Archiv eines in der Stadt angesiedelten Chemie-Unternehmens über die Zeit des "Dritten Reiches" im Rahmen des Geschichtsunterrichts forschen. In Düsseldorf bot die Metro AG Schülern ein Bewerbungstraining an. Einblicke in die Marketing-Abteilung eines Großunternehmens verschafften Kölner Schülern die Einsicht, dass Englisch als Geschäftssprache heutzutage unumgänglich ist. Was zu erkennbar höherem Engagement der Jugendlichen im Englisch-Unterricht geführt habe, berichtet Schülke.

Ihm zufolge ein generell zu beobachtendes Phänomen: je stärker der Praxisbezug, desto größer die Leistungsbereitschaft der Schüler. Wichtig sei allerdings, den Nachwuchs nicht zu überfordern und ihm neue Inhalte "aufzupfropfen". Die praktische Perspektive müsse vielmehr in den bestehenden Lehrplan eingearbeitet werden. Wobei I & S den Lehrern und Schulleitungen Hilfe anbietet.

Keine Selbstverständlichkeit, dass mit solcher Beratungstätigkeit Geld zu verdienen ist: Es habe zunächst langwieriger Arbeit bedurft, Unternehmen sowie Industrie- und Handelskammern von der Notwendigkeit eines finanziellen Engagements für Schulen zu überzeugen, berichtet Schülke. Mittlerweile sei ein solches "social sponsoring" von der Wirtschaft als sinnvoll anerkannt (nicht zuletzt des Werbeeffektes wegen). Bei den Kommunen hingegen ist bislang kaum etwas locker zu machen: Auf Seiten der Schulträger fehlen offenbar Mittel und Bereitschaft, in solche Projekte zu investieren.

Dabei könnten sie, wie Unternehmensberater Heidrich versichert, die Kosten für den Schulbetrieb senken oder sogar Einnahmequellen für ihre Schulen erschließen. Weshalb wird der Einkauf mehrerer Schulen nicht gebündelt? Nach Unterrichtsschluss sind Turnhallen und Klassenzimmer in der Regel frei - warum werden sie nicht genutzt für die Erwachsenenbildung, fragt der Betriebswirt. Oder: Wieso bieten Schulen keine so genannten Merchandising-Produkte an, T-Shirts, Tassen und Tornister mit dem Schul-Emblem also (wie in den USA üblich)? Warum gibt`s in Schulen keine Verkaufsstände für Schulbedarfsartikel, wenn vielerorts Kakao und Schokoriegel angeboten werden?

Heidrich ist sich sicher: Wenn der von Landesbildungsministerin Gabriele Behler (SPD) geplante Modellversuch anläuft, Schulen in eine weitgehende organisatorische und pädagogische Freiheit zu entlassen, wird sich der Wettbewerb im Bildungssystem verschärfen - und der Beratungsmarkt aufblühen.

Quelle: Rheinische Post vom 18.08.2001


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