Hauptschule in Bewegung
Franz Kafka: "Kleine Fabel"
"Ach", sagte die Maus, "die Welt wird immer enger mit jedem Tag. Zuerst war sie so breit, dass ich Angst hatte, ich lief weiter und war glücklich, dass ich endlich rechts und links in der Ferne Mauern sah, aber diese langen Mauern eilen so schnell aufeinander zu, dass ich schon im letzten Zimmer bin, und dort im Winkel steht die Falle, in die ich laufe." - "Du musst nur die Laufrichtung ändern", sagte die Katze und fraß sie.
Das Projekt
Gemeinsam mit fünf Bochumer Hauptschulen hat das Junge Schauspielhaus ein außergewöhnliches Theaterprojekt ins Leben gerufen. In Zusammenarbeit mit Künstlern aus unterschiedlichen Bereichen haben 45 Hauptschüler im Alter von 13 bis 17 Jahren zu Kafkas Fabel eine Bühnencollage entwickelt.
Die Arbeitsweise
Die Schüler konnten aus fünf unterschiedlichen Kursen wählen, die jeweils von einem Künstler geleitet und von einem Lehrer begleitet wurden. Je nach Interesse entschieden sich die Jugendlichen für die Teilnahme an einem Theater-, Tanz-, Musik-, Video- oder Bühnenbildkurs. Die so entstandenen Gruppen haben zunächst unabhängig voneinander in Räumen der beteiligten Schulen gearbeitet. Schüler, Künstler und Lehrer trafen sich einmal pro Woche für drei Stunden. In regelmäßigen Abständen fanden sogenannte Intensivtage von jeweils sechs Stunden Dauer statt. An diesen Tagen trafen sich alle Beteiligten und haben zusammen gearbeitet. Die Probenzeit belief sich auf insgesamt knapp drei Monate.
Der künstlerische Prozess
Zunächst haben wir mit den Schülern untersucht, ob Kafkas Fabel ein anderes Ende haben könnte. In einem zweiten Schritt folgte die Auseinandersetzung mit den Begriffen von Enge oder Weite und mit der Bedeutung, die eine Falle für Menschen haben könnte. Im Bühnenbildkurs beispielsweise wurden diese Fragen in Bezug auf Räume gestellt. Die so entstandenen Assoziationen der Schüler wurden in den einzelnen Kursen künstlerisch umgesetzt. Während der "Intensivtage" präsentierten die jeweiligen Gruppen einander die Arbeitsergebnisse, diese wurden dann miteinander verschnitten und zusammengefügt. So entstand eine Collage aus Theater und Performance mit Tanz-, Musik- und Videoelementen.
Eine persönliche Anmerkung
In Zeiten ernüchternder "Pisa"-Ergebnisse und zunehmender Arbeitslosigkeit erscheint es mir wichtiger denn je, insbesondere Hauptschülern neue Perspektiven zu eröffnen. In jedem Menschen stecken künstlerische Möglichkeiten. Es gilt nur, die ihm entsprechende Ausdrucksweise zu finden. Dazu bedarf es jedoch verschiedener Angebote.
Theater bietet in besonderem Maße die Gelegenheit, mit unterschiedlichen Kunstformen in Berührung zu kommen. Mit dieser Arbeit können wir Jugendlichen neue Ausdrucksmittel erschließen, ihr Selbstbewusstsein stärken und ihnen so Chancen aufzeigen.
Ich danke allen beteiligten Schülern für ihr Engagement, ihren Mut und ihre Disziplin.
Hauptschule in Bewegung wurde vor zehn Jahren von der Stadt Hannover ins Leben gerufen. Ich danke dem Kulturbüro Hannover für die Erlaubnis, die Idee und den Namen mit nach Bochum nehmen zu dürfen.
Martina van Boxen, Leiterin Junges Schauspielhaus
Die Mitwirkenden
Theater Kaja Aufermann, Amir Butt, Kathrin Becker, Julia Bürger, Viktoria Gapanov, Jasmin Hörnschemeyer, Ahmet Karakus, Tara Mahmoudian, Sonja Malchow, Glody Mawumba, Britta Menzel, Juliane Oehmig
Leitung Sandra Anklam
Tanz Svenja Born, Demir Causev, Emel Causeva, Ronja Dominik, Moin Etemadi, Miriam Miluitzki, Amanda Mustafovic, Sasa Rahmi, Kristina Winkler
Leitung Sabrina Klammer
Musik Abigail Ktatia, Grace Kanyi, Christiana Sarpong, Nina Oder, Skender Djurakovac, Sermin Djurakovac, Florian Salewski
Leitung Roderik Vanderstraeten
Video Damir Avdie, Kevin Janosch, Kevin Kling, Frank Kowalzik, Lars Lelitko, Jens Urban, Daniel Zijnen
Leitung Michael Habelitz
Bühnenbild Nadja Bernd, Natascha Bernd, Kevin-Robin Bialas, Dana Dominik, Timm Ehlert, David Krol, Carina Langanki, Evgenja Massold, Magdalena Mika, Christof Nassaf
Leitung Tobias Schunck
Künstlerische Leitung Martina van Boxen
Kostüme Veronika Bleffert
Ton Karl Haase, Frederic Mingo
Hospitanzen Carolin Christa, Philip Steimel, Daniel Zoels
Die beteiligten Lehrer und Schulen
Ralf Schomann / Werner-von-Siemens-Schule, Angelika van den Beld / Heinrich-Kämpchen-Schule, Edda Heene / Heinrich-Kämpchen-Schule, Cordula Huckschlag / Hauptschule Fahrendeller Straße, Jutta R. Schütze-Göcmen / Hauptschule Preins Feld, Susanne Giebeler / Hauptschule Wattenscheid-Mitte
Unser besonderer Dank gilt:
den Schulen, die es ihren Schülern ermöglicht haben, an diesem Projekt teilzunehmen, dem Lions Club Bochum, dem Freundeskreis des Schauspielhaus Bochum, dem Jugendamt der Stadt Bochum, der Schulkulturförderung Bochum, Stefan Kreggenfels vom Jugendfreizeitheim Gerthe.
Fotos Birgit Hupfeld
Redaktion Junges Schauspielhaus, Dramaturgie
Herausgeber Schauspielhaus Bochum
Intendant Elmar Goerden
Informationen unter
Tel 0234 / 33 33-5428 / -5528
jungesschauspielhaus@bochum.de